
Ja zur Initiative für eine sichere Ernährung
Am 27. September kommt die Initiative für eine sichere Ernährung (Ernährungsinitiative) an die Urne. Wir erklären, warum sie sinnvoll ist und entkräften Argumente der Gegner:innen.
Landwirtschaft in Schieflage
Die Versorgung der Schweiz ist aktuell zu über 50% vom Ausland abhängig. Dafür verantwortlich ist zu grossen Teilen die Tierlandwirtschaft. Sie bringt ökologische und (tier-)ethischen Probleme mit sich, die die Initiative angehen will. Hier nur einige Punkte:
- Futtermittel-Importe: Es werden Millionen Tonnen an Futtermitteln importiert, um die Millionen Masthühner, Legehennen und Schweine zu ernähren. Ohne diese Importe wäre die jetzige Tierwirtschaft gar nicht möglich. Die Schweiz isst somit auch anderen Ländern den Ackerboden weg.
- Schädliche Subventionen: Unglaubliche 75% der landwirtschaftlichen Subventionen landen in der Tierproduktion! Der Bund bevorteilt die Produktion und den Konsum von tierischen Lebensmitteln gegenüber pflanzlichen Lebensmitteln massiv. Tierprodukte sind somit zu tiefen Preisen erhältlich, was den Konsum befeuert. Und die Produktion von Fleisch, Milch und Eiern wirtschaftlich lohnenswert macht.
- Blockierte Ackerflächen: Auf über 60% unserer Ackerflächen werden Futtermittel für Tiere statt pflanzliche Lebensmittel angebaut. Auf diesen Flächen könnte man genauso gut pflanzliche Proteine für Menschen anpflanzen. So müssten die Nährstoffe nicht den tier- und umweltschädlichen Umweg über Tiere nehmen.

Die Initiative
Die Initiative will mit diesen Missständen aufräumen und ist ein Rundumschlag für die Umwelt, das Klima und die Tiere. Sie strebt eine gesamthafte Selbstversorgung von 70% an, wofür mehr pflanzliche Lebensmittel in der Schweiz angebaut werden würden. Futtermittel würden mittel- bis langfristig weichen, ebenso die viel zu hohen Tierbestände. Das Resultat wären weniger Tiere, die in der Landwirtschaft leiden – eine gute Sache! Gleichzeitig will die Initiative Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität und sauberes Trinkwasser sicherstellen. Wir empfehlen deshalb ausdrücklich ein Ja an der Urne.
Argumente gegen die Initiative auf dem Prüfstand
In der Diskussion um die Initiative fliegen unfaire Argumente herum. Hier ist unsere Richtigstellung:
Vegan-Zwang
Die «Allianz gegen die Ernährungsinitiative», die sich rund um den Schweizer Bauernverband gebildet hat, warnt vor einem «Vegan-Zwang». Der Tagi schreibt dazu treffend: «Der Initiativtext enthält allerdings nichts dergleichen.» So gut eine vegane Ernährung auch für Tiere und den Planeten ist – die Initiative zwingt sie niemandem auf. Es handelt sich um reine Angstmacherei fernab jeglicher Realität. Tierprodukte können weiterin konsumiert werden. Die Tierlandwirtschaft würde nur nicht mehr in dem grossen Umfang gefördert werden, wie das heute der Fall ist:
Aktuell wird die Tierlandwirtschaft dermassen staatlich unterstützt, dass man von einem indirekten «Fleisch-Zwang» sprechen könnte: Die Preise sind tief, die Subventionen hoch, es gibt staatlich geförderte Tierproduktewerbung und Fleischkonsum ist die soziale Norm – Stichwort «Karnismus». Gleichzeitig verfehlt der Staat seine Verantwortung für Tierschutz und Umwelt komplett, sodass massives Tierleid an der Tagesordnung liegt und die Klimaziele in weiter Ferne sind.

Grasland-Argument
«Gerade im Berg- und Hügelgebiet und damit in weiten Regionen der Schweiz wächst nur Gras», sagt der Bauernverband auf seiner Seite zur Initiative. Somit sei die Schweiz für die Tierproduktion prädestiniert und bei einer Annahme der Initiative würde dieses Land nicht mehr sinnvoll genutzt werden können.
Tatsächlich wird das Grasland-Argument auf Seiten der Tierprodukt-Lobby immer wieder verwendet, um die grosse Tierwirtschaft zu legitimieren. Dabei essen Schweine und Hühner, die rund 84% des Tierbestandes ausmachen, gar kein Gras. Sogar noch mehr: Etwa die Hälfte (!) der Schweizer Fleischproduktion basiert auf importierten Futtermitteln. Und auf zwei Dritteln des Ackerlandes wächst Tiernahrung. Würde wirklich nur das Grasland für Tierproduktion gebraucht werden, hätten wir eine massiv kleinere Fleischproduktion. Und: Laut der Initiative kann das Grasland auch nach einer Annahme weiterhin für die Tierproduktion genutzt werden.
Tierprodukte werden teuer
Die SP führt zur Initiative an, dass Tierprodukte teuer werden könnten und dann nicht mehr für alle erschwinglich sind. Dass Hülsenfrüchte und Fleischersatzprodukte heute unnötig teuer sind, ist im Gegenzug offenbar völlig in Ordnung. Unsere Haltung ist klar: Es gibt kein Recht auf Fleisch – es gibt ein Recht auf günstige, tier- und klimafreundliche Ernährung! Tierprodukte kommen aus einer Verstrickung von Ausbeutungsverhältnissen und heizen die Klimakrise an, unter der ärmere Länder am meisten leiden. «Für alle statt für wenige» sieht anders aus.
Warum der Initiative die Unterstützung fehlt
Viele Umweltverbände und Parteien haben ihre Unterstützung für die Initiative zurückgezogen. Das finden wir bedauerlich. Oft wird eine vermeintlich kurze Übergangszeit von 10 Jahren angebracht. Dabei sollen in den im Initiativtext genannten 10 Jahren lediglich erste Massnahmen auf den Weg gebracht werden. Insbesondere müssen die 70% Selbstversorgungsgrad nach Aussagen der Initiative nicht nach 10 Jahren erreicht sein.
Mehr zur fehlenden Unterstützung und möglichen Hintergründen kannst du z.B. in diesem Artikel nachlesen.
Das kannst du tun
- Gratis Fahne bestellen, Flyer verteilen etc.: Engagiere dich für die Ernährungsinitiative – wie das geht, findest du auf ihrer Website.
- Informiere dich und andere: Sprich mit deinem Umfeld über die Gründe für die Initiative und weshalb ein Ja am 27. September 2026 wichtig ist.
- Geh abstimmen und rege andere an, abstimmen zu gehen. Du kannst dir z.B. jetzt schon eine Erinnerung einrichten.






